Neuropsychologie
Leiter:
Prof. Dr. Josef Kessler
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Was ist Neuropsychologie?
Die Neuropsychologie ist eine Disziplin der Neurowissenschaften und der Psychologie, die versucht, die zentralnervösen Grundlagen von Verhalten und Erleben zu beschreiben. Die klinische Neuropsychologie beschreibt mit ihrem diagnostischen Repertoire Verhaltensänderungen nach Hirnschädigung beim Menschen und versucht auf der Basis der neuronalen Plastizität, diese Verhaltensänderungen wieder rückgängig zu machen.
Themenschwerpunkte
I Demenz
Hinweis: Für die folgenden Projekte des Themenbereichs Demenz werden noch Patienten und gesunde Probanden gesucht!
- Bestimmung der kognitiven und neuronalen Plastizität bei leichten kognitiven Störungen – Prädiktoren der Krankheitsentwicklung?
Patienten mit leichten kognitiven Störungen haben ein erhöhtes Risiko, an einer Demenz zu erkranken. In diesem Projekt werden bei Patienten mit leichten kognitiven Störungen die kognitive Plastizität (d.h. das individuelle Lernpotenzial), operationalisiert mit neuropsychologischen Tests, und die neuronale Plastizität, gemessen mittels funktioneller Kernspintomographie, identifiziert. Unter Einbeziehung der Ergebnisse von Nachuntersuchungen werden dann regressionsanalytisch Prädiktoren der Krankheitsentwicklung und Konversion zur Demenz bestimmt. Es wird überprüft, inwieweit die verwendeten Maße zur Früh- und Differentialdiagnostik demenzieller Syndrome geeignet sind.
- Implizite Personenerkennung bei Alzheimerpatienten mit fortgeschrittener Demenz
Bei Patienten mit fortgeschrittener Alzheimer Demenz, die Personenidentifikationsstörungen haben, wird untersucht, ob Personen noch über einen die elektrodermale Hautleitreaktion (EDA) und ein Programm zur Mimikidentifikation zur impliziten Personenerkennen bei Patienten mit der Alzheimerschen Erkrankung untersucht. Es sollen vegetative Muster, obwohl keine explizite Personenerkennung vorliegt, identifiziert werden, die mit der Vertrautheit einer Person kovariieren.
- Kognitives Training bei Patienten mit leichten kognitiven Störungen und Patienten mit leicht ausgeprägter Demenz
In Zusammenarbeit mit dem Alzheimer-Forum Köln wird ein modulares kognitives Training bei Menschen mit leichten kognitiven Störungen und leichten demenziellen Syndromen evaluiert.
II Theory of Mind (ToM) & Soziale Kognition
- Störungen von affektiven und kognitiven ToM-Leistungen bei neurologischen Patienten
Unter “Theory of Mind” (ToM) wird die Fähigkeit verstanden, sich in mentale Zustände (Emotionen, Gedanken, Absichten) anderer Personen hineinzuversetzen, um Verhalten zu verstehen und vorherzusagen. Mentale Zustände können affektiv gefärbt sein (zum Beispiel mögen, hassen) oder nicht affektiv, wertneutral sein (z.B. denken, intendieren). Es werden Profile von ToM-Leistungen bei verschiedenen neurologischen Patienten (zum Beispiel mit Morbus Parkinson, Multiple Sklerose) und mögliche Kovariationen zu anderen neuropsychologischen Funktionen untersucht.
- Neurobiologische Grundlagen affektiver und kognitiven ToM-Leistungen bei neurologischen Patienten
Mittels repetitiver transkranieller Magnetstimulation (rTMS) wird bei gesunden Probanden die Relevanz spezifischer präfrontaler Hirnareale für die Verarbeitung affektiver und kognitiver ToM-Leistungen untersucht.
III Entwicklung psychometrischer Verfahren
Es werden neuropsychologische Tests zur Erfassung verschiedener kognitiver Funktionen entwickelt. Beispiele sind das IGD (Inventar zur Gedächtnisdiagnostik), der ZRT (Zahlen- und Rechentest), die ACL (Aphasie-Check-Liste), der TKS (Test zum kognitiven Schätzen). Aktuell werden das KEX-D (Kölner Exekutivdiagnostikum) und das SAM (Simulation, Aggravation und Malingering) normiert.
Auch sind verschiedene Screeningverfahren zur ökonomischen Vorselektierung potenziell betroffener Patienten erstellt worden - so etwa die Demenzscreeninginstrumente DemTect® und PANDA (Parkinson Neuropsychometric Dementia Assessment) sowie die ACL-K (Kurze Aphasie-Check-Liste) für Patienten mit möglichen Sprachstörungen.
Ausgewählte Publikationen
Baller, G., Brand, M., Kalbe, E. & Kessler, J. (2005). Inventar zur Gedächtnisdiagnositk (IGD). Göttingen: Hogrefe.
Brand, M., Kalbe, E. & Kessler, J. (2002). Test zum kognitiven Schätzen (TkS). Göttingen: Hogrefe.
Herholz, K., Weisenbach, S., Kalbe, E., Diederich, N.J. & Heiss, W.D. (2005). Cerebral acetylcholine esterase activity in mild cognitive impairment. NeuroReport, 16, 1431-1434.
Kalbe, E. & Kessler, J. (in press). Gerontoneuropsychologie - Grundlagen und Pathologie. In W. Sturm, M. Herrmann & C.W. Wallesch (eds.), Lehrbuch der klinischen Neuropsychologie (2., überarbeitete Auflage). Frankfurt: Swets und Zeitlinger.
Kalbe, E. Salmon, E., Perani, D., Holthoff, V., Sorbi, S., Brand, M., Elsner, A., Weisenbach, S., Lenz, O., Kessler, J., Luedecke, S., Ortelli, P. & Herholz, K. (2005). Anosognosia in very mild Alzheimer´s disease but not in mild cognitive impairment. Dementia and Cognitive Geriatric Disorders, 19, 349-356.
Kalbe, E., Brand, M. & Kessler, J. (2002). Der Zahlenverarbeitungs- und Rechentest (ZRT). Göttingen: Hogrefe.
Kalbe, E., Calabrese, P., Schwalen, S. & Kessler, J. (2003). The Rapid Dementia Screening Test: A new economical tool for detecting patients with dementia. Dementia and Geriatric Cognitive Disorders, 16, 193-199.
Kalbe, E., Grabenhorst, F., Brand, M., Kessler, J., Hilker, R. & Markowitsch, H. (2007). Elevated emotional reactivity in affective but not cognitive theory of mind: a psychophysiological study. Journal of Neuropsychology, 1, 27-38.
Kalbe, E., Kessler, J., Calabrese, P., Smith, B., Passmore, P., Brand, M. & Bullock, R. (2004). DemTect: A new sensitive cognitive screening test to support the diagnosis of mild cognitive impairment and early dementia. International Journal of Geriatric Psychiatry, 19, 136-143.
Kalbe, E., Reinhold, N., Brand, M., Markowitsch, H.J. & Kessler, J. (2005). A new test battery to assess aphasic disturbances and associated cognitive dysfunctions – German normative data on the Aphasia Check List. Journal of Clinical and Experimental Psychology, 27, 779-794.
Kalbe, E., Reinhold, N., Ender, U. & Kessler, J. (2002). Aphasie-Check-Liste (ACL). Köln: Prolog.
Kessler, J., Denzler P., Markowitsch, H. (1999). DT - vollständig überarbeitete Fassung des Demenz-Tests. Tests zur Erfassung kognitiver Beeinträchtigungen im Alter. Göttingen: Hogrefe Verlag.
Kessler, J., Kalbe, E., Heiss, W.-D. (2003). Verlust der Sprache - Phänomenologie, Diagnostik und Therapie der Aphasie. Bremen: UNI-MED Verlag AG.

