Die Neurologie

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Geschichte der Klinik

Die Geschichte der Universitäts-Nervenklinik Köln

klinik_08_finale.jpgDie Nervenklinik der Kölner Universitätsklinik gehört zu den ältesten Einrichtungen auf dem Gelände der Krankenanstalt "Lindenburg". Sie ging ursprünglich aus der von Peter Josef Lennartz gegründeten privaten „Irrenanstalt“ hervor, die Mitte des 19. Jahrhunderts in Lindenthal eingerichtet worden war.

Stifter der nachfolgenden städtischen Irrenanstalt "Lindenburg" war 1871 Kommerzienrat Johann Heinrich Richartz (bekannt auch als Begründer des heutigen Wallraff-Richartz Museums, Köln). In diesem Zusammenhang hatte Richartz u.a. für die Nervenklinik verfügt, dass nur weltliches Pflegepersonal in der Irrenanstalt beschäftigt werden durfte, während in den anderen benachbarten Kliniken auch Ordensschwestern zuständig waren. Später wurde die Anstalt dann im Zusammenhang mit dem großen Neubau von 1907 in die städtische Krankenanstalt "Lindenburg", die am 17.11.1908 eröffnet wurde, eingegliedert.

dgn_200px.jpgDie „Irrenanstalt“ war die erste Klinik, die bereits im Jahr 1907 ihr neues eigenständiges Gebäude in der von Johannes Kleefisch geplanten Gesamtanlage beziehen konnte. Außer den Häusern der Inneren Medizin und Chirurgie (Nr. 1-10), die symmetrisch um einen Rosengarten herum angeordnet waren, gab es in der Anlage neben der Nervenklinik noch weitere einzeln stehende Gebäude: die Hautklinik, die Pathologie und die Kinderklinik. Von diesen Einzelgebäuden stehen heutzutage nur noch die Kinderklinik (Haus 26) und Nervenklinik (Haus 30). Wie bei den meisten Krankenhäusern zu dieser Zeit üblich, stand die Nervenklinik etwas abseits an der Nordseite des Geländes.

dgn_200px.jpgIm Jahre 1919 wurde die neue Universität zu Köln gegründet, nachdem die 1388 gegründete Alte Universität während der französischen Besatzung des Rheinlands 1798 von Napoleon geschlossen worden war. Kurze Zeit später bereits musste der Hörsaal der Nervenklinik im Jahr 1921 von 55 auf 130 Plätze vergrößert werden, um dem Andrang der Studenten gerecht zu werden. 1928 wurde entsprechend dem neuen Sprachgebrauch der Name in "Psychiatrische und Nervenklinik" geändert. Bis 1929 verfügte die Klinik über etwa 100 Betten, ab 1938 waren es 120 Betten. Im Jahre 1939 wurden die seitlichen Dachterrassen aufgestockt, um weiteren Raum für die Patientenzimmer zu schaffen.

Der Psychiater Gustav Aschaffenburg war von 1906 bis 1933 Direktor der Klinik. Er nahm auch als Direktor Einfluss auf die bauliche Gestaltung, in dem sich die Klinik gewollt ohne Gitter vor den Fenstern präsentierte. Als Aschaffenburg als Jude seines Amtes enthoben wurde, emigrierte er 1939 in die USA, wo er an der Johns Hopkins University in Baltimore weiterarbeitete und 1944 verstarb. Einer seiner Schüler und Oberärzte war Kurt Schneider, der später in Heidelberg wirkte. Schneider hat die Psychopathologie in Deutschland maßgeblich beeinflusst. Von ihm stammen Begrifflichkeiten wie "Symptome ersten und zweiten Ranges" bei der Schizophrenie, die Einteilung in "körperlich begründbare Psychosen" und "körperlich noch nicht begründbare Psychosen". Sein Buch der allgemeinen Psychopathologie war über Jahrzehnte ein Standardwerk unter den psychiatrischen Lehrbüchern. Nach der erzwungenen Emeritierung Aschaffenburgs wurde die Klinik bis 1938 von Max de Crinis geleitet.

Im 2. Weltkrieg wurde das Gebäude der Nervenklinik am 30.10.1944 durch einen Bombenangriff der Alliierten schwer beschädigt. Die Schäden waren so schwerwiegend, dass nach dem Krieg nur die Grundmauern zum Wiederaufbau genutzt werden konnten.

 

Wiederaufbau 1952

Klinik2.jpgIMG_0611.jpgNach der Berufung von Werner Scheid wurde das Gebäude mit den alten Geschosshöhen und Zimmereinteilungen wieder aufgebaut. Die Dachkonstruktion wurde erheblich verändert und es wurde eine Holzkonstruktion auf den Mitteltrakt aufgesetzt, die das Gebäude in allen Anteilen nun auf 4 Etagen erhöhte. Vorher waren nur die seitlichen Querflügel vierstöckig. Das ursprüngliche Walmdach wurde durch ein Flachdach ersetzt.

dgn_200px.jpgdgn_200px.jpgDer Einfluss des Bauhaus-Stils ist vor allem im mittleren Treppenhaus zu erkennen. An die Klinik wurde ein Hörsaal mit 140 Plätzen angebaut, ebenfalls mit Bauhaus-Stilelementen (z.B. runde Fenster in der hinteren unteren Eingangshalle). Offenbar wurden beim Wiederaufbau auch alte Fenster aus den 30er Jahren benutzt, die nach dem 2. Weltkrieg nicht mehr gebaut wurden. Die zweiflügeligen Fenster mit Oberlicht sind heute noch im Mitteltrakt zu sehen.

1953 ging die "Lindenburg" in die Trägerschaft des Landes NRW über. In den 50er Jahren wurde seitlich ein Neubau für die Neurochirurgische Klinik angefügt (Haus 12). Direktor der ersten deutschen Universitätsklinik für Neurochirurgie war Wilhelm Tönnis. 2010 zog die Neurochirurgie vom Haus 12 im Zuge von Umstrukturierungsmaßnahmen in das Bettenhaus.

 

Die Stationen

In den ersten Jahren waren in der Nervenklinik sechs Stationen vorhanden: Im seitlichen Quertrakt Parterre war Station I, eine 20-Betten-Frauenstation. Darüber in der 1. Etage die Station II im südlichen Quertrakt mit 20 Betten sowie die Station III mit 20 Männerbetten. Die Station IV war eine Station im Quertrakt in der 2. Etage. Die Station V als große Frauenstation befand sich im Mitteltrakt in der 2. Etage. Im westlichen Teil war eine kleine Isolierstation für infektiöse Patienten und in den zwei kleinen abgeteilten Zimmern konnten Einzelbetten betrieben werden, u.a. wurden hier auch Eiserne Lungen für die beatmeten Poliopatienten genutzt. In der 3. Etage im Quertrakt war schließlich die Privatstation (Station VI).

Relativ bald wurden die Stationen II und III zu überwiegend psychiatrischen Stationen und verließen beim Teilauszug der Psychiater in den 70er Jahren mit ihrem Namen die Klinik und wurden in verschiedenen anderen Gebäuden untergebracht. So waren noch die Stationen. I, IV, V und VI vorhanden. Die Klinik für Psychiatrie hielt die Bezeichnung der Stationen II und III bis zum Einzug in das neu gebaute Gebäude (Haus 31) im Jahre 2004 noch bei.

Gegenüber von Haus 30 befand sich ein Flachbau, wohl auch um 1950 erbaut, mit etwa 50 Betten. Dieser „Unruhigenpavillion“ hieß nur "Flachbau" und trug die Hausnummer 31. Er war unterteilt in die Männerabteilung 31a und die Frauenstation 31b. Hier waren große Krankensäle mit etwa 20 Betten sowie ein paar Einzel- und Doppelzimmer. Die Stationen war auf Überwachung und Sicherheit ausgelegt. Zwischen den beiden Gebäuden war ursprünglich eine kleine Gartenanlage, die immer mehr zu einem Vor- und Parkplatz umgestaltet wurde.

1967 wurde auf der Sonnenterrasse im südlichen Quertrakt eine eigene Intensivstation aus Waschbetonplatten angebaut. Diese war eine der ersten neurologischen Intensivstationen Deutschlands. In der Gemeinschaft der neurologischen Intensivmedizin (z.B. ANIM, später DGNI) wurde sie jedoch nicht einwandfrei als "neurologisch" anerkannt, da es sich zu diesem Zeitpunkt bei der Klinik noch um eine neurologisch-psychiatrische „Nervenklinik“ handelte.

 

In der Umgebung

P1060333.jpgdgn_200px.jpgAngrenzend an die Ostseite der Klinik befindet sich noch heute die ehemalige Kapelle / Beerdigungshaus als letztes originalerhaltenes Gebäude der ursprünglichen Kleefisch-Anlage. Das Haus hat heute keine sakrale Funktion mehr und beherbergt seit einigen Jahren verschiedene Forschungsgruppen der Klinik. Zwischen der Nervenklinik und "dem Kapellchen" steht als ein geschütztes Naturdenkmal ein Mammutbaum, der wahrscheinlich in der Mitte des 19. Jahrhunderts gepflanzt wurde. Links neben dem Eingang der Nervenklinik steht seit den 60er Jahren eine Japanische Blütenkirsche, die von einem japanischen Patienten als Dank der Klinik vermacht wurde und jedes Frühjahr mit ihrer Blütenpracht Patienten und Mitarbeiter erfreut.

 

 

 

 

Die Aufteilung der Klinik in Neurologie und Psychiatrie

dgn_200px.jpgBis 1985 wurde die Klinik als Nervenklinik geführt. Das Verhältnis der Bettenzahl schwankte je nach der aktuellen Ausrichtung der Klinik zwischen neurologischen und psychiatrischen Patienten. Zusammen wurden etwa 200 Betten betrieben. 1951 wurde Werner Scheid auf den Lehrstuhl für Nervenheilkunde berufen, 1968 wurde ein zweiter Lehrstuhl für Nervenheilkunde eingerichtet, auf den Albrecht Stammler berufen wurde. Bis 1985 führten die beiden Lehrstuhlinhaber die Klink gemeinsam. Im halbjährlichen Wechsel übernahm je einer die Visiten bei den Männern oder Frauen in der gesamten Klinik. Erst im Jahre 1985 wurde die Nervenklinik in zwei eigenständige Kliniken aufgeteilt (Klinik und Poliklinik für Neurologie und Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie). Somit ist die Kölner Nervenklinik die letzte universitäre "Nervenklinik" in Deutschland gewesen.

 

Neuausrichtung der Klinik 1985

Mit dem Eintritt von Wolf-Dieter Heiss 1985 wurde eine neue wissenschaftliche Ausrichtung der Klinik vollzogen mit dem Schwerpunkt der Schlaganfallbehandlung und funktioneller Bildgebung der Hirndurchblutung und des Hirnstoffwechsels (Positronen-Emissions-Tomographie, PET). Das Max-Planck–Institut für neurologische Stoffwechselforschung, das seit dem 2. Weltkrieg unter der Leitung von Klaus Joachim Zülch in Köln-Merheim untergebracht war, wurde nach Lindenthal verlagert und es wurde ein PET-Labor mit eigenem Minizyklotron gebaut. Speziell der Bau des an die Ostseite der Klinik angrenzenden Bunkers für das Mini-Zyklotron erzeugte große Probleme, weil er 6 m tief und mit extrem dicken bleiarmierten Wänden ausgestattet werden musste. Das Institut verfügte über zwei selbständige Abteilungen, von denen Wolf-Dieter Heiss das Direktorat der Abteilung für allgemeine Neurologie bis zu seiner Emeritierung 2005 innehatte.  Konstantin-A. Hossmann war Direktor der Abteilung für experimentelle Neurologie bis zu seiner Emeritierung 2003. Nach der Emeritierung von Wolf-Dieter Heiss im Oktober 2005 wurde die Klinik bis August 2006 von Walter F. Haupt kommissarisch geleitet. Die Leitung des Max-Planck-Instituts für neurologische Stoffwechselforschung übernahm Yves von Cramon.

 

Neuausrichtung der Klinik 2006

Am 01. August 2006 trat Gereon R. Fink die Position des Inhabers des Lehrstuhls für Neurologie der Medizinischen Fakultät der Universität zu Köln an. Er übernimmt seitdem die Leitung der Klinik für Neurologie an der Uniklinik Köln. Damit ergaben sich neue wissenschaftliche Schwerpunkte der Klinik: Schlaganfall und Schlaganfall-bedingte neurologische Ausfallserscheinungen und deren Rehabilitation, funktionelle Bildgebung von kognitiven Prozessen (mittels PET und funktioneller Kernspintomographie) und der Einsatz von neuromodulatorischen Verfahren (behavioural, neuropharmakologisch, technisch wie z.B. TMS, tDCS) zur Verbesserung von Schlaganfall-bedingten Ausfallserscheinungen, neurologischen Bewegungsstörungen (z.B. Morbus Parkinson) und deren Neuromodulation mittels der tiefen Hirnstimulation, Neuroimmunologie und Neuroonkologie.

Es bestehen weiter enge Kooperationen mit dem Max-Planck–Institut für neurologische Stoffwechselforschung, das von seiten der Max-Planck-Gesellschaft eine inhaltliche Neuausrichtung in Richtung Alternsforschung und mit Jens Brüning im Jahr 2011 einen neuen Direktor erhält. Neue enge Verbindungen mit dem Forschungszentrum Jülich der Helmholtz Gesellschaft werden unter anderem durch gemeinsame Berufungen gefördert. So ist Gereon R. Fink auch als Direktor des Instituts für Neurowissenschaften und Medizin des Forschungszentrums Jülich tätig.
Ein Erfolg der mit dem Wechsel von Gereon R. Fink nach Köln verbundenen Umstruktierung der Klinik ist, dass sich die Klinik zu einer der größten deutschen Neurologien entwickelt hat. Mit eigener neurologischer Intensivstation, großer überregional zertifizierter Stroke-Unit und Frühreha-Station ist die Klinik modern und auf den schwer erkrankten neurologischen Patienten ausgerichtet aufgestellt. Allein im stationären Bereich schenkten über 4000 Patienten im Jahr 2009 den Ärzten, Pflegekräften und Therapeuten der Klinik ihr Vertrauen. Im Jahr 2008 wurde das in der Kölner Klinik entwickelte Cologne Consultant Concept als ein neues Modell der ärztlichen Versorgung im Krankenhaus mit dem 1. Preis im Hospital-Innovations-Wettbewerb ausgezeichnet.

Eine Übersicht zu den aktuellen Entwicklungen und der Ausrichtung der Klinik für Neurologie in den Bereichen Klinik, Forschung und Lehre geben stets die Internetseiten der Klinik für Neurologie.

Weitere historische Informationen finden Sie auch auf den Webseiten zur Jubiläumsausstellung "100 Jahre Lindenburg" der Uniklinik Köln.

 


Dank für die Mitarbeit an dieser Zusammenstellung an W.F. Haupt und Wikipedia.